Reiseberichte und Ausflugtipps        

Der (Reise-)Journalist Manfred Giebenhain ist regelmäßig im Großraum zwischen Rhein, Main und Neckar, im UNESCO-Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, und oft darüber hinaus auf anspruchsvollen Fernwanderwegen unterwegs. Für seine Reiseberichte, Wander- und Ausflugtipps hält er Bekanntes und Unbekanntes in Wort und Bild fest. Die über 150 Einzelveröffentlichungen werden von einer Bücherserie ergänzt, die der Husum Verlag (Husum) herausgegeben hat. Bisher erschienen sind: "Kleines ABC der Bergstraße" (2013), "Kleines Heidelberg-AB" (2014), "Little Heidelberg A-Z" (2015 in englischer Sprache), "Kleines ABC des unteren Neckartals" (2017) sowie "Kleines ABC des Odenwaldes" (nach 2012 in zweiter Auflage 2018) und "Little Odenwald A-Z" (2018 in englischer Sprache). Ferner ist Manfred Giebenhain mit 30 Beiträgen im Buch "Südhessen entdecken" vertreten, das der Verlag der Echo Zeitungen GmbH 2014 herausgegeben hat.

 

600 Jahre Fachwerksgeschichte

Zu Fuß durch die Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg

Kleinstädte, die in ihrem Kern aus mittelalterlichen Fachwerkbauten bestehen, gibt es in Deutschland sehr viel e. Im Positiven davon unterscheidet sich Quedlinburg, eine kleine Stadt am Rande des Harzes, die 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier sind nicht nur der Marktplatz und einige angrenzenden Straßenzüge vom Ursprung her erhalten, sondern der komplette mittelalterliche Stadtgrundriss nahezu unverändert geblieben. Das Besondere: Mehr als 2000 Fachwerkhäuser bilden auf engstem Raum sechs Jahrhunderte Fachwerkgeschichte ab.

Der Besucher weiß nicht, wohin er zuerst den Blick richten soll und welches Gebäude seine besondere Aufmerksamkeit verdient hat. Wer sich zu Fuß auf den Weg in das Zentrum begibt, wird sich zunächst aber erst einmal an dem dumpfen Abriebgeräusch der Reifen der Autos gestört fühlen, die die vorbeifahrenden Fahrzeuge auf den breiteren Straßen in der Altstadt hinterlassen. Pflaster anstelle von asphaltierten Straßen stehen für ein Stadtbild, aus dem in der damaligen DDR sich nicht zwangsläufig ein historischer Charakter der

Stadt ableiten ließ. Bei Quedlinburg ist dies anders.

Die historische Innenstadt hat auf 85 Hektar 1000 Jahre Architekturgeschichte zu bieten, die vom Ständerbau bis zum Jugendstil reicht und alle

Entwicklungen der Fachwerktechniken und –stile reichen. Zum Beweis dafür lenkt der versierte Stadtführer Hans-Joachim Noske die Schritte seiner Gäste in den Marktkirchhof, wo auch dem Laien sich die Unterschiede der Epochen rasch erschließen. Vier und mehr Stockwerke hoch ragen die ehemaligen Kaufmannshäuser eng aneinander gen Himmel. „Fachwerk über vier Jahrhunderte steht hier Haus an Haus“, beginnt der Fachmann die Unterschiede herauszuarbeiten.

Das Gebäude mit der blauen Fassade aus dem Jahr 1577 besticht durch seine Balkenköpfe. Das rote Gebäude rechts daneben wurde 1630 errichtet und ist bereits deutlich schlichter gestaltet. Noch nüchterner präsentiert sich die Front des letzten Hauses, das die Architektur des 18. Jahrhunderts verkörpert.

Eine Besonderheit, die es angeblich in Deutschland nur hier gibt und einzigartig ist: Das Café nebenan wirbt damit, sich über sieben Gebäude zu erstrecken. Tatsächlich täuscht die schmale Fassade immer wieder über die restaurierten Innenräume hinweg, die zweckmäßigerweise an den ursprünglichen Außenmauern nicht Halt gemacht haben. Mit einer Breite von 1,80 Metern steht das schmalste Haus von Quedlinburg in der Wassertorstraße 18, was auf der Frontseite für immerhin vier Fenster gereicht hat. In das Jahr 1347 reicht das älteste Gebäude zurück, dessen Dach noch mit Ziegeln gedeckt ist, die in der Römerzeit gebrannt wurden. Noske erklärt, die Technik der ersten Harteindeckung und weshalb der eine Ziegel „Nonne“, der andere „Mönch“ bezeichnet wird. Das Haus war bis 1964 noch bewohnt.

Straßennamen verraten weitaus mehr als Anschriften. Gleich an zwei Weggabelungen in der Altstadt treffen die Bezeichnungen Pölle und Hölle aufeinander. Wer vom Marktplatz aus in Richtung Osten geht, stößt unweigerlich auf ein auffälliges Eckhaus, den Höllenhof (Hölle 11). Das denkmalgeschützte Haus wurde zwischen 1215 und 1301 erbaut. Seinen Namen soll das mal als Unterkunft für die Bruderschaft domus Corporis Christi; später als Wohnsitz der Stadtschreiber und Kämmerer, genutzte Gebäude seiner „Schwarzen Küche“ (auch Rauchküche genannt) verdanken. Es ist das älteste noch erhaltene Steinhaus von Quedlinburg. Hier wurde im Innenhof auf offenem Feuer gekocht. Nebel und Rauch standen von weitem sichtbar über dem Gebäude.

Durch diese hohlen Gassen lässt es sich gut wandern

 

Rund um Zeutern im Kraichgau führen etliche Hohlwege

Die Zeuterner Hohlwegwanderung verläuft auf Start der 15,1 Kilometer langen Wanderung ist der Friedhof am Ortsrand. Rechts vom Eingang steht ein Hinweisschild, das die Richtung des als Erlebnispfad „Altackerhohl“ titulierten Fußwegs vorgibt. Dieser führt sogleich in ein kleines Wäldchen, das einen ersten Vorgeschmack auf die Hohlwege bietet. Durch das dichte Grün beiderseits des schmalen Pfads geht es zunächst leicht bergauf. Nach etwa 500 Metern endet das Wäldchen und wir nehmen den Weg nach rechts durch das freie Feld. Für längere Zeit begleiten uns auf der rechten Seite große Nussbäume, Kirschbäume und Brombeerhecken. Entlang des Waldrandes folgen wir auf dem freien Feld dem Weg nach rechts, kurz darauf nach links und laufen auf einem geschotterten Weg auf einen Wald zu. Nach einer Rechtskurve geht der Weg in eine asphaltierte Straße über. Wir biegen die nächste Möglichkeit links ab und laufen zwischen Maisfeldern hindurch geradeaus weiter. Der Weg steigt leicht an.

Einer Beschilderung nach befinden wir uns nun in der Alta k-hohl. Wieder sind es vorwiegend Walnussbäume, die uns mit ihrem satten Grün auf etwa 400 Meter begleiten. Am Ende der Hohl biegen wir nach links ab und laufen auf einem asphaltierten Weg in Richtung Wald. Ab hier befinden wir uns auch auf dem Pfalz-Kraichgauweg, verrät ein Hinweisschild. Nach etwa 100 Metern biegen wir rechts ab in den Wald und wählen den Pfad, der geradeaus auf etwa weiteren 100 Metern wieder hinaus führt. Hier biegen wir nach links ab und folgen dem Weg, der zwischen Waldrand auf der linken Seite und rechts davon von einer Obstplantage verläuft. In dem Mischwald dominieren Eichen und Buchen. Wir laufen rechts um ein Maisfeld herum und folgen der Wegführung, die sich noch einige Hundert Meter lang auf der Form des Waldrandes orientiert. In einer Rechtskurve erscheint auf der linken Seite im Wald der Grillplatz Brandwald, der zu einer Rast einlädt.

Etliche Sitzbänke mit Tische, eine Grillhütte und einige Spielgeräte aus Holz fügen sich harmonisch in die kleine Lichtung ein. Schon bald folgt die nächste Hohl und darauf ein Weg, der zwischen Wiesen, Feldern und Äckern wieder mehr Raum für einen Weitblick lässt. Auf der rechten Seite tauchen Weinreben auf. In der Ferne zeichnet der nächste Wald ein grünes Band an den Horizont. Der Weg fällt wieder etwas ab und führt in eine weitere Hohl. Ein kleiner Anstieg und auf dem nun geschotterten Weg geht es nach 30 Metern im spitzen Winkel nach links ab, wo wir uns bald darauf auf der linken Seite einer Gartenlaube nähern. Wir überqueren den darauf folgenden Acker und durchlaufen auf etwa 50 Metern eine Wiese, auf der eng beieinander viele Kirchbäume stehen. Von der kleinen Anhöhe aus können wir auf der rechten Seite in der Ferne die Dächer der Häuser von Oberröwisheim sehen. Wir laufen, begleitet von Holunderbüschen, geradeaus am Rand des Ackers weiter und biegen die nächste Möglichkeit nach links ab, um auf den vor uns liegenden Wald zu stoßen.

Im Schatten der Bäume geht es weiter, bis der Weg sich vom Waldrand absetzt und zwischen Wiesen hindurch, auf denen Pflaumenbäume stehen, zu einer asphaltierten Fahrstraße führt. Hier endet das Naturschutzgebiet. Hier halten wir uns links und gehen auf der Straße für längere Zeit weiter. Der lang gezogene Rechtsbogen wird vom Kleinen Kraichbach begleitet, der sich hinter den Büschen und Sträuchern auf der rechten Seite versteckt. Wir folgen dem Wegweiser in Richtung See; einem vor vielen Jahrzehnten vom Bach gespeisten, aber künstlich angelegten See, dessen Gestaltung der Natur überlassen wurde. Die sauerstoffreiche Luft und natürliche Ruhe genießt man am besten auf einem der Sitzbänke.
Zunächst gehen wir wieder einige Schritte zurück auf den Weg, auf dem wir gekommen sind, halten und rechts und folgen gleich links einem anderen Weg, der in den Wald hinein- und einen kleinen Berg hinaufführt. Die Beschilderung „Planetenweg“ führt uns auf einen geschotterten Weg, der etwa auf der Höhe angekommen, auf einer Kreuzung mit der Linksabbiegung in einen asphaltierten Weg übergeht. Immer noch im Wald geht es von nun ab bergab, bis wir den Wald hinter uns lassen und in der Ferne die Bahnlinie und eine Überquerung sehen, die auf die Landstraße führt. Dort angekommen, laufen wir wenige Schritte nach links, um gleich darauf den Pfad zu nehmen, der rechts im Schutz von Sträuchern geradeaus führt. Bevor von nun an für längere Zeit das freie Feld mit seiner leicht hügeligen Landschaft das Panorama bestimmt, passieren wir links noch ein kurzes Waldstück mit dem Namen Attackewäldchen.

Ein asphaltierter Weg verbindet die verstreut liegenden Bauernhöfe miteinander. Hier begleitet uns auf der rechten Seite der Speitelsbach. Noch bevor wieder Wald in Sicht kommt, nehmen wir auf der Höhe, auf der rechts Laubbäume uns begleiten, einen kleinen Pfad, der im rechten Winkel nach links führt und am Hinweisschild Naturschutzgebiet zu erkennen ist. Nach etwa 50 Meter tauchen wir noch einmal in einen Hohlweg ein. Drei Meter und höher sind die hellen Wände aus Lösgestein, die anfangs nur auf der rechten Seite und schon bald darauf beiderseits uns begleiten. Entlang des leicht ansteigenden Wegs stehen einige Informationstafeln, die das außergewöhnliche Naturschauspiel erklären helfen.

Es folgt eine Kreuzung mit fünf Gabelungen. Wir nehmen den Weg gerade aus und tauchen, dieses Mal auf einem asphaltierten Weg, in einen Hohlweg, dessen Wände nicht minder hoch, dafür aber dicht bewachsen sind.

Im Schatten der steilen Hänge bewundern wir die tief herunterhängenden Verästelungen der Bäume. Bald darauf erreichen wir die ersten Häuser von Zeutern. Auf der linken Seite fallen die Gebäude der Winzergenossenschaft auf. Wir nehmen die nächste Straße nach rechts und orientieren uns am Kirchturm, der uns zur Ortsmitte führt. In einer scharfen Rechtskurve erkennen wir die Beschilderung, die uns den Weg hinauf zum Friedhof zeigt, unserem Ausgangspunkt der Hohlwegewanderung von Zeutern.

Wandern, wo die Römer ihre Grenze gezogen haben

Auf Spurensuche entlang des Odenwaldlimes

 

 

Alpenüberquerung zu Fuß

In sieben Tagen vom Tegernsee-Nordufer bis Sterzing/Südtirol

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Sagen-Wanderung im Odenwald

Wilde Reiter: Relief an der Hauswand der ehemaligen Kellerei von Fränkisch-Crumbach

Wilde Reiter: Relief an der Hauswand der ehemaligen Kellerei  von Fränkisch-Crumbach.  Fotos: Manfred GiebenhainODENWALD - Die Götter der Germanen sind bekanntlich im Harz zuhause gewesen. Doch was wäre der Ruf des Odenwalds als waldreiches Gebirge wert, wenn sich darin nicht so manche Sage und einige Märchen abgespielt hätten? Man denke da nur an die Nibelungen, die vom Rhein her kommend ihren Jagdtrieb in den dichten Wäldern ausgelebt haben sollen. Gleich vier Orte konkurrieren um die Gunst, im Besitz des Brunnens zu sein, der Held Siegfried für das Bad im Drachenblut gedient hat.   weiterlesen...

 

Amorbach: Letzte Station im Odenwald

Amorbach – Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ kann jetzt im Erlebnisbahnhof bewundert werden

Ende einer langen Reise: Der „Sonderzug nach Pankow“ steht jetzt in Amorbach

Ende einer langen Reise: Der „Sonderzug nach Pankow“ steht jetzt in Amorbach.   Foto: Manfred Giebenhain

Mit dem Song „Sonderzug nach Pankow“ hat sich Udo Lindenberg musikalisch dafür gerächt hat, dass ihm die DDR-Führung die kalte Schulter zeigte. Der bunt bemalte Zug zum Song bereichert jetzt das Angebot des Erlebnisbahnhofs in Amorbach.

Zu gerne wäre Udo Lindenberg im „Arbeiter- und Bauernstaat“ aufgetreten, wie „all die ganzen Schlageraffen“ vor ihm. Spöttisch unterstellte er dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, dass er sich heimlich ins Klo einschließt, um die Lederjacke anzuziehen und Westradio zu hören.    weiterlesen...

Odenwald: Von der „Weißen Rübe“ zur Villa Haselburg

An der Veste Otzberg beginnt eine Wanderung, die auch im Winter ihren Reiz hat

Weithin sichtbar: Blick auf die Veste Otzberg
Weithin sichtbar: Blick auf die Veste Otzberg.  Foto: Manfred GiebenhainWer eine ausgiebige Tageswanderung vom nordwestlichen Ausläufer des Odenwalds auf die Höhen bei Höchst unternehmen möchte, begibt sich zugleich auf eine Reise in die Erdgeschichte.

Die auf 368 Meter gelegene Veste Otzberg besticht als Ausgangspunkt der Wanderung bereits von Weitem. Eindrucksvoll hebt sich auf der Spitze des erloschenen Vulkans die Burganlage ab, in deren Mitte die „Weiße Rübe“ steht, wie der ehemalige Beobachtungsturm im Volksmund genannt wird.    weiterlesen...

 

Odenwald: Vom Römerbad zum Bullauer Bild

Winterwanderungen im Naturschutzgebiet Eutergrund mit Abstechern zu römischen Relikten

Winteridylle: Die ehemalige Eutermühle im Eutergrund

Winteridylle: Die ehemalige Eutermühle im Eutergrund.   Fotos: Manfred Giebenhain

Zum Römerbad bei Würzberg, zu den Kastellresten bei Hesselbach und zum restaurierten Bullauer Bildstock führen Wandertouren, die im Erbacher Ortsteil Bullau beginnen.Das Naturschutzgebiet Eutergrund in der Nähe des Erbacher Ortsteils Bullau ist ein ausgedehntes Wiesental, das vom 17. Jahrhundert an bis zum großen Höfesterben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders für seine ertragreiche Wiesenbewirtschaftung bekannt war. Mit Hilfe von Be- und Entwässerungsgräben konnten die Wiesen auf den nährstoffarmen Böden des Buntsandsteinodenwalds bis zu drei Mal im Jahr gemäht werden.   weiterlesen...

Sommerliche Attraktionen im Odenwald

Zusatzantrieb: Bei den Solardraisinen im Überwald müssen die Passagiere nur leicht in die Pedale treten. Gespeicherte Sonnenenergie sorgt für Unterstützung

 Der Überwald ist eine der beliebtesten Ausflugsregionen im Odenwald. Gemütlich ist die Draisinentour auf den Gleisen einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, Actionfreunde jagen auf der Sommerrodelbahn ins Tal.

Wer gut zu Fuß ist und keinen steilen Anstieg scheut oder gerne einmal frei in der Luft hängend sich von acht Meter Höhe auf den weichen Waldboden abseilen lässt, ist auf der Kreidacher Höhe genau richtig. weiterlesen...

 

Maria Einsiedel: Malerischer Ruhepol im Ried

Von Bäumen umgeben: Die Kapelle Maria Einsiedel bei Gernsheim

Von Bäumen umgeben: Die Kapelle Maria Einsiedel bei Gernsheim. Foto: Manfred Giebenhain

GERNSHEIM - Flaches Land, Spargelfelder, so weit das Auge reicht und ein dichtes Radewegnetz stehen für die eher ruhigere Seite des Rieds. Von den beiden Autobahnen, die die Ebene durchtrennen, ist hier nichts zu sehen oder zu hören. Scheinbar unberührt von der Außenwelt, etwas versteckt im Schutz eines Wäldchens, lässt die Wallfahrtskapelle des ehemaligen Kapuzinerklosters Maria Einsiedel den Wandel der Zeit an sich vorüber ziehen. weiterlesen...

 

 

Helfer in allen erdenklichen Notlagen

Wallfahrtsort und Jakobsweg: Die Basilika Vierzehnheiligen zieht viele Pilger und Wanderer an

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Wenn Pater Bernhard Braun die Geschichte vom Schäfer Hermann erzählt, wird es immer stiller in der lichtdurchfluteten Basilika Vierzehnheiligen in der Nähe von Bad Staffelstein in Oberfranken. Mehrmals am Tag füllen sich die Bänke westlich des von Statuen und Ornamenten reichlich bestückten Altars mit Besuchern. Nicht wenige von ihnen haben nach tagelangem Fußmarsch hier ihr ersehntes Ziel erreicht. Mit rund 160 Pilgergruppen im Jahr ist die im späten Mittelalter errichtete Basilika nach Altötting der zweitbeliebteste Wallfahrtsort auf deutschem Boden.

Die einst im Jahr 1457 als Kapelle errichtete Wallfahrtskirche blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Auf die Blütezeit der Heiligenverehrung im 15. Jahrhundert folgte der Zorn der Aufständischen während des Bauernkriegs. Erst 18 Jahre nach der Feuerbrunst kam es im Rahmen der Gegenreformation 1543 zum Wiederaufbau des Gotteshauses, das mit der wieder erstarkten Wallfahrtsbewegung im 17. Jahrhundert nicht Stand halten konnte. Streitigkeiten zwischen dem Bamberger Fürstbischof und dem Langheimer Abt ist es zu verdanken, dass erst 1743 Pläne des Würzburger Architekts Balthasar Neumann für einen Neubau zur Umsetzung kamen. Wäre Neumann nicht neun Jahre vor seinem Tod persönlich eingeschritten, stünde der Gnadenaltar heute noch an einer weniger dominanten Stelle im Langhaus. Wohl im Auftrag des Abts oder aus Kostengründen hatte der Baumeister Gottfried Heinrich Krohne die Pläne verändert. Die Einweihung am 14. September 1772 durch den Bamberger Bischof Adam Friedrich von Seinsheim erlebten beide nicht mehr. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts schlossen sich zahlreiche Restaurierungen, vorwiegend der barocken Wandgemälde und der Deckenbilder von Joseph Ignaz Appiani, an.

Die außergewöhnliche Stelle des Gnadenaltars in der Mitte des Gotteshaues diene auch dem Zweck, alle Menschen nach allen Himmelsrichtungen gleichermaßen zu erlösen, erklärt Pater Braun. Vierzehn Heilige sind es, die auf dem zentralen Deckenfresko über dem Altar zusammen mit Maria und den Bamberger Diözesanpatronen Heinrich und Kunigunde zu sehen sind. Die 14 Nothelfer selbst sind mit Gold verzierte ansonsten farblose Statuen rund um den Altar, vom Heiligen Ägidius, dem Beschützer der Hirten und des Viehs, bis zum Heiligen Pantaleon, der mit auf das Haupt genagelten Händen als Helfer gegen Kopfschmerzen dargestellt wird. Wie hat es das auch „Klein-Bethelem“ genannte Fleckchen Erde zwischen Bamberg und Lichtenfels zu so viel Aufmerksamkeit gebracht? Pater Braun, der seit 40 Jahren dem betreuenden Franziskanerorden angehört, erzählt, was sich hier am 17. September 1445 zugetagen haben soll. Besagter Schäfer Hermann soll ein Kind auf dem Acker vorgefunden haben. Als er es aufheben wollte, sei es verschwunden. Das Jesuskind zeigte sich häufiger; am 29. Juli 1446 in Begleitung von 14 weiteren Kindern. „Wir sein die viertzehn Nothelffer und wöllen ein Cappeln haben, auch gnediglich hie rasten, und biß (du) unser Diener sein, so wöllen wir dein Diener wieder sein“, steht es in der Überlieferung. Bis dem Schäfer Glauben geschenkt und an der Erscheinungsstelle ein Altar errichtet wurde, bedurfte es weiterer Erscheinungen und einer wundersamen Heilung einer schwerkranken Frau, für die die Heiligen angerufen wurden.

IMG_0073Auf der anderen Seite des Maintals liegt das Kloster Banz. Dem aufmerksamen Betrachter fällt schon von weitem auf, dass es einen Zusammenhang gibt. In gedachter verlängerter Linie fügen sich beide Gebäude zu einem Kreuz zusammen. Besucher der Basilika sollten es nicht versäumen, anschließend zum nahe gelegenen Felsen, dem Staffelstein, zu wandern. Der gut ausgeschilderte Wanderweg zählt nicht ohne Grund zum Jakobsweg. Nachetwa einer Stunde auf dem Höhenrücken erreicht der Wanderer den Felsrücken, der einen unvergesslichen Blick über das Maintal bietet.