BISSIGES aus dem Odenwald

 

 

Parkplatz statt Marktplatz

 

Der Marktplatz als Großparkplatz?
Anfangs dachte ich noch an einen verspäteten
schlechten Faschingsscherz,
was sich da mitten in Erbach abspielt.
Weit gefehlt.
Heute stehen dort mehr Autos als je zuvor.
Und im Städel ist es nicht anders.
Erstaunlich, dass die Landesregierung eine Million
Euro dafür hat springen lassen,
damit direkt vor seinem Schloss der
beste Platz der Stadt verschandelt wird.
Nur keinen Schritt zu Fuß mehr gehen als notwendig.
Bequemlichkeit geht vor.
Die Ästhetik einer schönen Altstadt findet
nur im Werbeprospekt statt.
Ist vor der Sanierung im Rathaus schon einmal
jemandem der Gedanken gekommen,
dass der schlechte Zustand der Pflasterung auch daher
gekommen sein könnte,
weil Autos darüber fahren? Schilda lässt grüßen.

 

 

 

 

 

Manfred Giebenhain (Michelstadt), im April 2018

 

 

Notorische Falschparker

Mit dem Klimaschutz in Deutschland geht es nicht so recht voran,
war vor wenigen Tagen in der Tageszeitung zu lesen.
Vor allem die Industrie und der Verkehr ließen zu wünschen übrig,
weniger schädliche Treibhausgase in die Luft zu blasen,
machte Bundesumweltministerin Svenja Schulze deutlich
und forderte „für saubere Luft eine grundlegende Verkehrswende“.
Bemerkenswert,
wie dieser löbliche Aufruf sogleich in Michelstadt
von etlichen Besuchern der Altstadt aufgegriffen wurde.
Da ist nämlich noch etwas geschehen,
was sie zum Handeln bewegt hat.
Vor Kurzem hat der Bauhof die Reihe der Pfosten,
die von der Alten Schmiede bis zum
Marktbrunnen reicht, verlängert.
Dort sein Auto abstellen, geht jetzt nicht mehr so einfach,
um nicht vollständig den nachfolgenden Verkehr zu blockieren.
„Verkehrswende, das ist es“,
haben sich die notorischen Falschparker,
fast wie abgesprochen, gedacht.
Es gibt für jede Bequemlichkeit eine Lösung:
Also wenden sie ihr Fahrzeug
jetzt wenige Meter darauf nach links,
um es dort abzustellen.
Dass es sich dabei um den Marktplatz handelt,
interessiert da nicht.
Nicht nur für Touristen, die so gerne das historische Rathaus
und den Platz davor fotografieren,
gibt dies ein unerwartetes Bild ab. Leider auch eines,
wie mit dem Wertvollsten umgegangen wird,
was diese Stadt auszeichnet. Peinlich. Noch peinlicher,
dass dagegen nichts unternommen wird.

Manfred Giebenhain (Michelstadt), im April 2018

Das Narrenschiff

Und wieder wird schwer brandgestiftet,
die Menschlichkeit mit Hass vergiftet,
auf rechter Welle froh geschwommen
und feiger Mord an Bord genommen.
Und wieder bläht die Segel feist
ein kalter Wind, der dumm und dreist
die Demut vor den Schwachen ächtet
und sie als Landbesetzer knechtet.
Und wieder schaut der Pöbel zu
in tief entspannter Seelenruh
und nippt, es ist ja kaum zu fassen,
an seinen feinen Sonntagstassen.
Und wieder fallen viele ein
in üble Hetze, lautes Schrei´n,
wenn hirnlos taube, tumbe Tröpfe
stolz treten gegen Kinderköpfe.
Und wieder blickt man lieber weg,
flaniert auf weißem Sonnendeck,
anstatt mit Abscheu zu verachten,
dass Menschen wieder Menschen schlachten.
Und alle hatten es gelesen:
vom „deutschen Wesen“ und „Genesen“.
Doch keiner hat auch nur entfernt
für sich selbst daraus gelernt.
So werden wir denn bald ertrinken,
das Schiff, es muss in Scham versinken,
vom Ufer tönt der Abgesang
zum selbst gewählten Untergang.
Es ist der Chor der Couragierten,
die nicht zagten, sich nicht zierten,
die nicht verschämt zu Seite traten,
als Tausende um Hilfe baten.
Kommt, wacht auf, greift nach den Leinen,
verwehrt die Herzen den Gemeinen!
Doch beeilt euch, habet Acht:
Die Taue sind schon losgemacht!

Michael Lang (Michelstadt), im März 2018

 

 

Neulich im Winterwald

(Zu intonieren nach der Melodie „Leise rieselt der Schnee“)

Leise pieselt das Reh,
still und zart schmilzt der Schnee.
Dampf steigt nach oben im Wald,
Langsam nur schließt sich der Spalt.
Herz des Rehleins schlägt warm,
bald schon tönt der Alarm.
Sorge des Lebens verhallt,
weil nun ein Büchsenschuss knallt.
Bald ist heilige Nacht,
Korps der Jäger erwacht!
Horch nur, wie lieblich es schallt,
Rehlein hat dies jetzt geschnallt.
Stoppt nun abrupt seinen Strahl,
ins Unterholz pfeift Jägers Stahl.
Rehlein springt über die Schlucht,
Schuss donnert mit wilder Wucht.
Kugel schlägt ein in den Baum,
Rehlein juckt dieses doch kaum.
Jäger jedoch stört das sehr,
schaut nun frontal ins Gewehr.
Finger am Abzug leicht ruckt,
plötzlich ein Feuerstrahl zuckt.
Bläst aus dem Jäger das Licht,
Rehlein denkt: „Schlimm ist das nicht!“

CONCLUSIO:
Stellt sich erneut hin zum Pieseln,
Schneeflocken leis und weiß rieseln.
Rehlein mit sichtlichem Spaße
leert ganz entspannt seine Blase.

Michael Lang (Michelstadt), im Januar 2018

 

 

Der Wolf geht um

Der böse Wolf geht wieder um und reißt die braven Schafe.

Die Großmutter im Klinikum erwacht aus ihrem Schlafe.

Sie weiß noch, wie das damals war, als sie vom Wolf gefressen.

Da hatte sie im Boudoir auf ihrem Stuhl gesessen.

So sprachen einst die Brüder Grimm in jener alten Mär.

Und aufgebunden war, wie schlimm, vom bösen Wolf, der Bär.

Der Wolf reißt eben mal ein Schaf, wenn er viel Hunger hat.

Doch regelt dies ein Paragraph, den man nur noch nicht hat.

Man muss den Schäfern Hunde geben und gute Zäune bauen.

Dann wird der böse Wolf halt eben nach andren Opfern schauen.

Freut euch über Wölfe hier, die unsren Wald nun säubern.

Er nimmt dem Jäger sein Revier, er muss es nicht mehr räubern!

Gönnt dem Wolf die kleine Geiß, das schafft kein Defizit.

Wölfe fordern ihren Preis: Drum: Guten Appetit!

Isegrim, brutaler Schlächter, ich gönne Dir dein Lamm.

Nur bigotte, dreiste Schächter machen jetzt Tamtam.

Fürchten den Totalverlust ihrer braven Herde.

Statt Prostest aus voller Brust, harrt man der Beschwerde.

Gerne wäre man dich los hier in unsren Wäldern.
Dabei fehlt es doch nur bloß an den wahren Geldern!

Wolf, bleib´ bitte hier im Wald, der Tisch ist reich gedeckt.

Angenehmen Aufenthalt! Und dass es dir gut schmeckt…

Michael Lang (Michelstadt), im Dezember 2017